Was ist beim Kauf eines gebrauchten Mikroskopes zu beachten?
Grundsätzlich raten wir dazu, jedes angebotene Mikroskop zunächst auf seine Leistungsfähigkeit und Tauglichkeit speziell für diese Methode der Blutuntersuchung hin gründlich zu überprüfen. Wenn der Käufer dazu selber nicht in der Lage ist, muß er einen in dieser Methode besonders und nachweislich Erfahrenen dafür bemühen. Niemals sollte man ein ungeprüftes Mikroskop kaufen - auch, wenn es noch so ein "Schnäppchen" zu sein scheint. Die meisten selbsternannten "Mikroskop-Kenner" haben von dieser Methode keine Ahnung bzw. keine ausreichende Erfahrung.
Vorbemerkung
Die Beobachtung von Kleinstphänomenen im Nativblut - an den Grenzen lichtmikroskopischer Auflösung = Erkennbarkeit - gehört zu den anspruchsvollsten mikroskopischen Aufgabenstellungen. Um das zu leisten, muß das Werkzeug aus "einem Guß" sein, d.h. alle Komponenten müssen ideal aufeinander abgestimmt und optimal justiert sein und der Mikroskopiker muß - einem "Lichtkünstler" gleich - die kleinsten Objekte auszuleuchten verstehen. Sowas kann man lernen und es verlangt gleichzeitig viel Erfahrung mit ebendieser Methode.
Optische Mischbestückungen verschiedener Firmen - z.B. Objektive verschiedener Fabrikate, Okulare und Objektive von verschiedenen Herstellern oder auch mit stark unterschiedlicher Qualität, salopp gesagt "zusammengewürfelte" Systeme unterschiedlicher Hersteller und Qualitäten - bereiten meist Schwierigkeiten (Abgleichlängen, Abbildungsfehler, unterschiedliche Kompensationen u.a.m.) und sind deshalb abzulehnen. Sollte bei einem strengen Test unter Praxisbedingungen, ausgeführt von einem Könner der Methode, dennoch gute Ergebnisse erzielt werden, so ist es die Ausnahme von der Regel. Uns ist diese Ausnahme noch nicht begegnet. Irgendein Dunkelfeldbild zu produzieren reicht bei weitem nicht aus. Lassen Sie sich bei der Demonstration der Leistungsfähigkeit eines gebrauchten Mikroskopes nicht täuschen! - gewollt oder nicht.
Das geeignete Mikroskop
Anhand der Carl-Zeiss-West Standard-Mikroskopreihe der 60er bis 80er Jahre, welche immer wieder mal angeboten werden, wird hier beispielhaft ein geeignetes Mikroskop beschrieben.
Es sollte aus folgenden Teilen bestehen (wenn keine extra Angaben gemacht werden, ist immer Original Zeiss-West gemeint). Es versteht sich, dass die Einzelteile in perfektem Zustand sein müssen - auch, wenn sie gebraucht sind:
einem lichtstarken, d.h. korrekt köhlerbaren 100 Watt Halogenlicht (Zeiss-Halogen-Glühbirnen mit besonderem Lichtwendel) mit regelbarem Transformator
aus einem externen Lampenhaus (100 Watt Halogen) mit 2-linsigem Kollektor.
angeschlossen über ein Beleuchtungsrohr mit Zwischenabbildung
das Stativ (Zeiss-Standard 16 oder Standard 18 oder Standard RA) mit einer zusätzlichen Grundplatte zur Erhöhung (notwendig für das externe Lampenhaus) sollte einen 4- oder besser 5-fachem Objektivrevolver besitzen
der variable Kondensortrieb ist mit einem immersionsölpflichtigen Dunkelfeld-Ultrakondensor n.A. 1,2/1,4 ausgestattet
Anmerkung: wir raten zum gleichzeitigen Kauf eines Klapplinsen-Kondensors bzw. eines Phasenkondensors für weitere Hellfeld-Anwendungen - für die Methode der Vitalblutuntersuchung im Immersionsöl-Dunkelfeld ist das allerdings nicht zwingend
einem ausreichend großen Kreuztisch mit tiefliegendem Trieb und passendem Objektführer
einer Mindestaustattung an Objektiven:
Zeiss West 10 x Plan-Achromat und
Zeiss West 100 x Plan-Achromat Oel Iris
günstig wäre zusätzlich ein
Zeiss West 40 x Plan-Apochromat Oel Iris oder ein
Zeiss West 40 x Apochromat Oel Iris oder ein
als "Krönung" eines Objektivsatzes für diese Methode wäre zusätzlich ein Zeiss-West 63er Plan-Apochromat Oel/Iris oder 63er Plan-Neofluar Oel Iris anzusehen.
als Okulare raten wir zu den auf Zeiss West Plan-Achromaten abgestimmten Zeiss West Kpl W 10 x /18
(als "Luxussteigerung" wahlweise auch Kpl W 10 x / 20 Sehfeldzahl)
ein Optovar (Vergrößerungswechsler) 1,0x/1,25x/1,6x/2,0x wäre zu begrüßen
unabdingbar ist ein binokularer Fototubus (für den Anschluß einer Videokamera)
mit einem 100:0 und 30:70 Schiebeprisma
mit binokularem Knickbrückentubus für die Dioptrin-anpaßbaren Okulare oder Okularaufnahmen und
einem Fototubus (Zeiss-Teile-Nr. 433047), welcher für die Aufnahme einer Zeiss-Schwalbe eines
Zeiss-C-Mount-Adapters mit 0,9-facher Kompensationsoptik für eine
½ Zoll 1-CCD-Videokamera (z.B. JVC z.B. TK-C1380 o.ä. Modelle mit S-VHS Ausgang und hoher Lichtempfindlichkeit) ausgestattet ist.
Jede Untersuchung ist nur so gut, wie ihre Dokumentation
Die Anpassung einer Digitalkamera (Canon A95 oder Coolpix 995 o.ä.) kann nach Belieben erfolgen, ist aber für die tägliche Praxis irrelevant. Der Videoanschluß ist allerdings unverzichtbar. Die Untersuchung sollte live dokumentiert werden. Einzelne Belegfotos über Framegrabberkarten oder Videoprinter ergänzen lediglich die Dokumentation
Für den weiteren Ausbau empfehlen wir einerseits S-VHS-Videorecorder - möglichst mit S-VHS-fähigem Texteingabegerät und einem hochauflösenden 100 Hertz-Monitor (Sony-Trinitronröhre) und
andererseits einer S-VHS-fähigen Framegrabberkarte mit angepaßter Software (z.B. FALCON Framegrabberkarte von www.ids-imaging.de)
Preise - Auktionen - Neugeräte
So ein Mikroskop sollte je nach Ausbaustufe zwischen 2500 und 4000 Euro kosten.
Argumentationshilfen: Die verwendeten Optiken sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. Leider können sich nach einiger Zeit die Kittschichten der Linsensysteme auflösen (Kittplatzer oder Delaminationen genannt). Sichtbar wird es durch oelig-aussehende Schlieren vom Linsenrand nach innen wandernd. Das schmälert die Abbildungseigenschaften des Mikroskops. Dieses Risiko ist verständlicherweise bei alten Bauteilen größer, als bei neuen - und es wird letztlich vom Käufer getragen. Ursprünglich gezahlte Preise und alte Preislisten als Grundlage zur Werteinschätzung zu benutzen, ist kein gutes Zeichen für einen Verkäufer.
Ebay - Internet - Auktionen: dort werden immer wieder brauchbare Teile oder ganze Mikroskope angeboten. Leider kann man sie vorher nicht prüfen. Dieses Risiko bleibt beim Käufer. Diese Einkaufmöglichkeit erfordert viel Fachkenntnis und bleibt unsicher.