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IAPE - Publikationen:

Serie:  "Pleomorphismologie"  Teil 2
Zeitschrift für Erfahrungsheilkunde 6/97

Enderlein war nur einer von vielen!
Pleomorphismologie ist älter als 100 Jahre

Einleitende Hinweise:

Ein historischer Rückblick auf die bisherige Entwicklung zeichnet sich durch phasenhafte Erkenntnissprünge aus, dieses vor allem, wenn vielversprechende Neuentdeckungen einzelner Forscher andere Wissenschaftler auf den Plan riefen, welche sich in wesentlich umfassenderer Weise mit grundsätzlichen, ergänzenden wie tangentialen Fragestellungen auseinandersetzten, als dieses auf Seiten des Initiators der Fall war.Diese Situation trifft für das Gebiet der Pleomorphismologie im weitesten Sinn zu. Eine unüberschaubare Zahl mikrobiologisch-infektologisch orientierter Wissenschaftler begann, sich bereits in den ersten Jahren des 19.Jahrhunderts grundlegenden Fragen der Hygiene, Mikrobiologie, Infektologie, Toxikologie etc. zu widmen, dieses, nachdem zunächst nur wenige - allerdings äußerst bemerkennswerte - Neuerkenntnisse veröffentlicht worden waren. Sie rüttelten an den Festen altehrwürdiger Auffassungen der Krankheitslehre schlechthin, sodaß unter anderem die Miasmentheorie ca. Mitte des 19.Jahrhunderts endgültig der Vergangenheit angehörte.

Miasmatheorie - mehr als ein Jahrtausend dogmatische Seuchenlehre

Die Geschichte der Seuchen ist so alt wie die der Menschheitsgeschichte. Einzelne Infektionserkrankungen sind seit Jahrtausenden bekannt, epidemiologisches Denken hat den Menschen früh beschäftig: Bereits in Griechenland zu Zeiten des Ärzte-Urvaters Hippokrates (460-380 v. Chr.) entstanden Theorien, die darauf abzielten, Ursachen für Seuchen und Krankheiten zu beschreiben. So hatte schließlich in der Folgezeit eine in Griechenland beschriebene Miasmen -Theorie (gr. miasma = Verunreinigung) bis ins 19.Jahrhundert Gültigkeit. Jegliche abweichende Auffassung war bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar gewesen, da die Miasmen-Lehre dogmatisch vertreten wurde: Seuchen und Infekte entstanden demzufolge durch Ausdünstungen aus Leichen und Erdböden, Grund genug, um bei Krankheitssituationen mit allerlei Räuchereien, mit der reinigenden Kraft des Feuers, mit Masken und Essenzen bösartige Miasmen zu vertreiben.

Mikrobenjäger rücken an die Front

Obwohl Leeuwenhoek bereits im 17. Jahrhundert als erster Mikroben im Mikroskop hatte nachweisen können und obwohl der Landarzt Jenner Ende des 18. Jahrhunderts großartige Impf-Erfolge im Kampf gegen die Pocken hatte vorweisen können, bedurfte es weiterer Impulse, um einen bis dahin nie dagewesenen Forschungs-Boom auszulösen. Zu solchen Impulsen zählt die Entdeckung des Londoner Chirurgen Adams, welcher in Krebszellen Mikroorganismen nachweisen konnte. Müller bestätigte 1838 Adams Entdeckung. 1822 erkannte Schultz "Lebendprozesse" im Blut - ein erster Hinweis auf die Existenz einer Blutflora. Magendi betonte 1839 mit Nachdruck, "daß es keine krankhaften Affektionnen ohne irgendeine Veränderung des Blutes" gäbe - eine im Sinne Enderleins grundlegende und zutreffende Aussage. Bechamp mag als erster "Pleomorphist" gelten, da er in menschlichen wie auch in pflanzlichen Zellen Elementarteilchen beschrieb und die Hypothese eines Kreislaufes der lebenden Substanz aufstellte: intrazelluläre Mikropartikel gehen nach Absterben der Zellen nicht zugrunde. Sie geraten in irgendeiner Form erneut in den Kreislauf des Lebens Arago (1839) stellte ein erstes praxisreifes fotografisches Verfahren für wissenschaftliche Dokumentationen zur Verfügung - eine unglaubliche Bereicherung für die damalige Zeit. Donne« fotografierte 1840 die ersten mikroskopischen Objekte und gab in Kooperation mit Forcoult 1845 einen 80 Bilder umfassenden Atlas heraus.

Wissenschafts-Lobby kontra Außenseiter

Als Begründer der modernen Mikrobiologie gelten Louis Pasteur (1822-1895) und Robert Koch (1834 - 1910). Sie hatten sich mit Miasmatikern und Forschern wie Bernard auseinandergesetzt, welcher vehement darauf hingewiesen hatte, daß nicht der Erreger, sondern das Milieu darüber entscheidet, ob jemand eine Infektion erfährt oder nicht. Deratige grundlegende Erkenntnisse jedoch fanden keine gebührende Beachtung. Pasteur sowie ein wachsender Kreis orthodoxer Monomorphisten hatten gesiegt. Pleomorphismus wurde allenfalls und in entspr. Grenzen bestimmten spezifischen Erregern zugeschrieben, ein cyclogenischer Entwicklungskreislauf bestimmter Mikroben war als obsolete Phantasterei abgetan worden. Adams, Müller, Schultz, Bechamp, Bernard und viele andere wurden jedoch zu Vorreitern einer Forschungsrichtung, welche in der Folge revolutionäre Entdeckungen machten und durch namhafte Repräsentanten einen allerdings wenig fruchtbaren, eher Kräfte zehrenden Meinungsstreit mit orthodoxen Lehrmeinungsmediziniern und Mikrobiologen zu führen hatten.

Bakterien-Cyclogenie Enderleins - erster Gipfelpunkt pleomorphismologischer Forschung

Professor Dr. Günther Enderlein, Naturwissenschaftler mit Schwerpunktsbereich Zoologie, späterer Kustos des Zoologischen Museeums in Berlin, wurde durch eine Vielzahl pleomorphismologischer Forscher inspiriert. Prioritätstreu erwähnt er bahnbrechende, mikrobiologische wie biologische Wissenschaftler , welche damals ganz überwiegend dem deutschsprachigen Raum zugehörten, in seinem Standartwerk, dessen Inhalte bei den Vertretern der orthodoxen Lehrmeinung auf ablehnende Reaktionen stoßen mußte. Enderleins Hinweise auf frühere pleomorphismologische Wissenschaftsergebnisse lesen sich wie ein mikrobiologischer Kriminalroman, dieses vor allem vor dem Hintergrund einer kürzlich erschienenen hervorragend und mühevoll recherchierten Veröffentlichung Windstoßers zur Frage der Krebsgenese durch Mikroben . Nach Adams Entdeckung (s.o.) und nachfolgender Bestätigungen kam es zu weiteren Befunderhebungen, welche als bedeutende Impulse für Enderleins Forschungen zu sehen sind: 1866 beschreibt Friedreich im Blut kreisende , diaplazentar übertragbare Geschwulstfaktoren (= Enderleins Endobionten?). Haller - einer der namhaftesten Mikrobiologen seiner Zeit - bekannte sich 1866 in jeder Hinsicht zum Bakterienpleomorphismus, Fresen entdeckt 1870 den Mucorpilz, dessen Cyclogenie Enderlein später bechreibt. 1873 weist Lancester darauf hin, daß Baktereien sehr verschiedene Wuchs-und Erscheinungsformen zeigen können, gleiches bestätigt Lister 1873. Paget - wie Adam ebenfalls Chirurg in London - erkennt im Blut krebskranker Personen Mikroorganismen. Wenige Jahre später (1884) wird dieses Phänomen von Lampinski bestätigte Cienkowski beobachtete 1877 bei einer Bakterienspezies Wuchsformen, welche mit denen der Mikrokokken, Bazillen und Leptothrix übereinstimmen können, erkannte - laut Enderlein - jedoch nicht die grundlegende Bedeutung einer Cyclogenie. 1879 führt de Bary den Symbiosebegriff in die Wissenschaft ein. Das Symbiosephänomen gehört zur elementaren Tatsache des pleomorphismologischen Weltbildes.

Antoine Nebel - einer der großen Pioniere der Pleomorphismologie

In Lausanne begann der Arzt Antoine Nebel 1912 mit intensiven bakteriologischen Studien und kulturellen Untersuchugen der aus Mucor racemosus gezüchteten Mikromyceten. Diese hatte er im gleichen Jahr von Otto Schmidt erhalten, außerdem von Doyen aus Tumorgewebe gewonnene Mikrokokken (Micrococcus neoformans). Nebel konnte später selbst aus Krebs und Sarkomen gewonnene Parasiten kultivieren. Dabei unterschied er drei Formen von Oncomyceten: Form A, die sich im Protoplasma der Zellen entwickelt, Form B, die sowohl das Protoplasma als auch den Kern befällt; und Form C, die auf den Zellkern beschränkt bleibt. Nur mit der Form B konnten im Tierversuch Malignome ausgelöst werden. Alle zuvor beschriebenen Formelemente und Entwicklungsstadien wurden auch von Nebel erkannt und in seinem Hauptwerk "Les cycles d??`volution des parasites du cancer humain" zusammengestellt. Wie Enderlein später, so erkannte Nebel bereits die Möglichkeit der sexuellen Vermehrung der Bakterien. Nebel stellte fest, daß die Wachstumszunahme der Onkomyceten im Blut mit der Virulenzzunahme korreliert. Eingehendere Studien der Arbeiten Nebels zeigen, wie sehr er Enderleins paralelle wie nachfolgende Forschungen beeinflußt hat.

Auf die Methode kommt es an

Schon Enderleins Lehrer Prof. Leukhart an der Universität Leipzig hatte , wie mancher Forscher vor ihm - größten Wert auf eine zunächst streng vergleichende morphologische Vorgehensweise beim Studium der Mikroben gelegt. Enderlein war der Auffassung, daß erst geduldvolle z.T. langfristige Beobachtungen auf der Ebenen sich darbietender morphologischer Phänomene b.z.w. deren Variabilität als Schlüssel zu nutzen sind, um cyclogenische Entwicklungskreisläufe verifizieren zu können. Pleomorphismologie bedeutet, adäquate Verfahren einzusetzen, da nur auf diese Weise der Reichtum des Formenwandel erfaßt werden kann. Hierzu eignet sich in ganz besonderer Weise die mikroskopische Dunkelfeldtechnik. Im Dunkelfeld lassen sich Formen life darstellen, die im Hellfeld der Entdeckungsmöglichkeit entgehen. Färbeverfahren können die Dunkelfeldmikroskopie entscheidend ergänzen. Derzeitig bemüht sich die Internationale Akademie für Pleomorphismologie und Endocytobiologie Schloß Weißenstein um eine †berprüfung wie auch Erweiterung bisheriger methodologischer Ansatzpunkte. Von grundlegender Bedeutung dürften moderne molekularbiologische Forschungen sein, wenn etwa das genetische Material der von Enderlein und anderen Forschern beschriebenen Entwicklungsstufen bis hin zu Pilzkulminanten analysiert wird.

Glossar:
Pleomorphismus: Naturphänomen. Formenvielfalt in der Mikrobiologie. Pleomorphismologie: Lehre, welche sich mit den Phänomenen des Pleomorphismus befaßt und daraus therapeutische Verfahren ableitet.
Cyklogenie: aus Cyklostadien bestehender, kreisförmiger Entwicklungsgang bestimmter Mikroorganismen (z.B. "Endobionten" Enderleins).Dabei kann je nach Milieubedingungen eine Pilzkulminante erreicht werden. Die Rückentwicklung findet als Zerfall (Arthrogenie) statt, wobei wieder niedrige Entwicklungsformen auftreten (Kreisschluß).
Endozytobiologie: Lehre von der Existenz und der Bedeutung sog. Endozyten oder Endozytobionten (mehr oder weniger autarke und in Bezug zum Genom der Wirtszelle genetisch divergente Zellorganellen/zytoplasmatische Phänomene)

Literatur:
Dumrese,J.; Haefeli,B.: "Pleomorphismus". Handbuch. Haug-Verlag, Heidelberg. (1996)
Enderlein,G.: "Bakterien.Cyclogenie" Neuauflage : Semmelweiß-Verlag, Hoya (1980).
Nebel, Antoine. Les cycles dŽ`volution des parasites du cancer humain. Imp. Reœn. Borrel & Seiler, Neuchatel (Schweiz) 1932
Windstoßer, K. : Polymorphe Symbionten in Blut und Körpergewebe als potentielle Kofaktoren des Krebsgeschehens. Semmelweiß Verlag Hoya (1996)

Abbildungen werden später an dieser Stelle veröffentlicht:
Abbildung 1 aus Buch Pleomorphismus: S 94 Abb 105 Zeichnung und Bildlegende übernehmen.
Abb. 2 aus Buch Pleomorphismus: S. 98 Abb 109 mit Legende erster Teil
Abb. 3. S. 100 Abb 116 mit Legende 1

Verfasser des Artikels:
Autorenteam der Internationalen Akademie für Pleomorphismologie und Endocytobiologie, Schloß Weißenstein.

Korrespondenzadresse:
Dr. Jost Dumrese
, Klaus Janus, Institut für angewandte Pleomorphismologie und Endocytobiologie - IAPE, Kreuzstr. 79, 73730 Esslingen Tel: 0711- 318992, Fax: 3180667, e-mail: sekretariat@iape.de, Internet-Homepage: www.iape.de



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